Montag, 3. Juli 2006

Never Mind The Ballacks!

jetzt also wirklich.
doitschland im halbfinale.

nach dem 1:0 der argentinier hatte man ja die hoffnung, dieser kelch könnte doch an uns vorübergehen.
aber nein, wir werden noch mindestens eine weitere woche die kollektive doitschland-manie unter dem inoffiziellen motto "stumpf ist trumpf" ertragen müssen.

trotzdem oder gerade deshalb hier noch einige kritische anmerkungen:

wo ist eigentlich die grundlage für diese deutschland-hysterie?
was bringt die menschen "in diesem unserem lande" dazu, sich doitschland-fähnchen ans automobil zu basteln und ihre gehirne in den standby-modus zu versetzen?

nationalismus, patriotismus, vaterlandsliebe etc. sind nichts fortschrittliches, das gegenteil ist der fall.
diese "werte" können auch niemals positiv besetzt werden, weil sie in sich immer etwas ausgrenzendes und trennendes enthalten. zusammengehörigkeit wird aufgrund von willkürlichen landesgrenzen definiert, die ja immer nur ausdruck politisch-militärischer kräfteverhältnisse sind. das gemeinschaftsgefühl, das auf dieser grundlage definiert wird, dient immer nur reaktionären kräften, weil die sozialen und politischen unterschiede ausgeblendet werden und damit wunderbar eine "wir gegen die anderen"-stimmung erzeugt werden kann.

nationalismus ist das gegenteil der internationalen solidarität und vom gedanken des humanismus.

wir alle leben auf diesem planeten, sind angehörige einer spezies, haben eine mutter, brauchen luft zum atmen, wasser zum trinken und was zu fressen. alle gedanken, die das aufgrund von rassistischen, nationalistischen oder religiösen hirngespinsten negieren, sind indiskutabel, das sollten doch gerade "wir deutschen" aus unserer vergangenheit gelernt haben.

gerade wenn man einen blick auf die historie wirft, wird klar, dass "deutschland" ein kunstbegriff für unterschiedlichste herrschaftsverhältnisse in ständig wandelnden grenzen ist.

die bewegung der studenten von 1817 war in ihrer zeit eher fortschrittlich, weil hier der gedanke der nationalen einheit den regionalen feudalaristokratien entgegengesetzt wurde, nämlich im sinne einer sozialen veränderung. in diesem geiste weiter zu marschieren, bedeutet heutzutage zunäxt für ein demokratisches und gerechtes europa einzutreten (im gegensatz zum rückfall in die kleinstaaterei, wie sie gerade mit der sogenannten "föderalismus-reform" vollzogen wurde).
wenn es einen staat auf deutschem boden gab, der zumindest vom ansatz her mit den faschistischen traditionen brechen wollte, dann war das die DDR.

mir ist tatsächlich v ö l l i g unklar, warum ich mich mit irgendwelchen bayrischen tiertötern, frankfurter börsenmarklern, hamburger medien-yuppies und sächsischen neonazis mehr verbunden fühlen soll als mit polnischen schwulen, italienischen kommunisten, afrikanischen flüchtlingen oder singhalesischen tsunami-opfern.

die sportlichen erfolge einer fussballmanschaft verdienen sicherlich respekt, sofern sie denn unter korrekten bedingungen zu stande gekommen sind, woran nach den vorfällen im sogenannten "wettskandal" und den enthüllungen in italien massive zweifel angeraten scheinen (siehe unten).

inakzeptabel ist auch das verhalten einiger spieler, die meinen, sich vor den augen des weltpublikums als primitive schläger präsentieren zu müssen, in dem sie strafrechtlich relevante körperverletzungen begehen, ohne scheinbar auch nur einen gedanken über ihre vorbildfunktion für kinder und jugendliche zu vergeuden.

unabhängig vom sportlichen geschehen löst die grossveranstaltung WM bei mir eher brechreiz als begeisterung aus, wenn ich mir beispielsweise die in diesem zusammenhang durchgesetzte verschärfung der kontrolle des sozialen raums und die kosten-gewinnverteilung (gewinne kiegt die FIFA, kosten zahlt der steuerzahler) ansehe.

überdies wurden im windschatten dieses spektakels im bundestag, im sicheren bewusstseins des fehlens der medialen aufmerksamkeit, schnell mal eben ein paar gesetzesvorhaben durchgepeitscht, die durchaus kritikwürdig sind (desgleichen übrigens auch in frankreich). aber im stadion sassen abends 70.000 gemeinsam mit frau merkel im jubelwahn.

nahezu zeitgleich mit der übertragung der partie deutschland:argentinien lief ein fernsehfilm über die wannsee-konferenz vom 20. januar 1942, bei der die "endlösung der judenfrage" beschlossen wurde. wenn man sich diese "deutschen traditionen", grausamste verbrechen von unvorstellbarem ausmass, vor augen hält, ist das derzeitige trunkene fahnenschwenken einfach nur ekelhaft. eine schon mit der "du bist deutschland" - initiative initierte schwamm-drüber-mentalität breitet sich aus, die bedenklich stimmt.
das argument, "nach 45 ist hier (= BRD) ja alles anders geworden", ist sowas von abgeschmackt, dass seine verwendung zu mundfäule führen müsste, wenn man einen blick auf die ungebrochene kontinuität der "eliten" in wirtschaft und politik wirft.
von den teilnehmern der wannsee-konferenz wurde quasi niemand ernsthaft zur rechenschaft gezogen, die grossen konzerne wehren sich zum teil heute noch mit rückendeckung der politik gegen die entschädigung der zwangsarbeiter, einige unternehmer-dynastien konnten ihre vermögen problemlos in die "neue zeit" herüberretten, der militär-und polizeiapparat wurde von den allierten nach oberflächlichster "entnazifizierung" wieder eingesetzt, DB-chef mehdorn sperrt sich seit zwei jahren gegen eine ausstellung über die deportation jüdischer kinder mit hilfe der reichsbahn auf deutschen bahnhöfen, etc. etc.
natürlich haben wir jetzt auch ein holocaust-gedenkmal, das aber an alles mögliche erinnert, bloss nicht an die opfer und die brutalität der verfolgung zu zeiten des hitler-faschismus.

der letzte sieg einer deutschen mannschaft bei einer WM löste ebenfalls einen taumel der begeisterung aus, der die zerschlagung der sozialen errungenschaften der DDR und deren garantierten lebens-und arbeitsbedingungen zugunsten der übernahme des segenspendenden kapitalistischen systems überlagerte.
die wunderbaren folgen dieser okkupation kann man heute an den arbeitslosenzahlen im osten ablesen.

und auch der derzeit stattfindende hurra-patriotismus wird von den reaktionären kräften in diesem land wieder dafür benutzt, die bestehenden sozialen widersprüche und ungerechtigkeiten zu verwischen. abbau der sozialen garantien für weite teile der bevölkerung, prekarisierung der lebens-und arbeitsverhältnisse, verschärfung der überwachungsinstrumente - all das spielt keine rolle mehr, wenn "wir" erstmal "weltmeister" sind.

so werden wir wohl auch in zukunft von deutschen national-flaggen nicht verschont bleiben:
spätestens auf den särgen der tot aus afghanistan heimkehrenden soldaten werden wir sie wieder sehen.

Donnerstag, 29. Juni 2006

It Can't Happen Here?

während die fussballeuphorie im lande manische ausmasse annimmt,
ist die fussballbegeisterung in italien zur zeit eher gedämpft.
warum?
dazu empfehle ich den beitrag bei hintergrundpolitik des DR.

bei "uns" oder der WM ist soetwas natürlich ausgeschlossen.
unvorstellbar.
unmöglich.

[und wer's glaubt, wird selig.]

Dienstag, 13. Juni 2006

"Ein Staat kann Gefangenen alle Rechte verweigern,...

...er kann sie ohne Angabe von Gründen, unbefristet und ohne juristische Kontrolle in ein Lager sperren - aber er kann das nicht als Rechtsstaat tun.

Ein Staat kann, sofern er die militärischen Mittel hat, das Völkerrecht torpedieren, er kann Unverdächtige zu Verdächtigen, Verdächtige zu Terroristen und Terroristen zu Vogelfreien erklären - das kann er, aber er kann es nicht im Namen der Demokratie und der Menschenrechte.

Ein Staat kann den Angriffskrieg zur Notwehr erklären, er kann zum Schutz der Zivilbevölkerung Zivilisten massakrieren, er kann die Folter als "strenges Verhör" deklarieren und das "strenge Verhör" als Gebot der Stunde - aber die einzige Logik, auf die er sich dabei berufen kann, ist die Logik des Wahns."

treffender kommentar zu den selbstmorden in guantanamo in der
berliner zeitung.

Montag, 12. Juni 2006

Die Welt zu Gast im Polizeistaat

"Münchner Polizei wirbt zur WM Hoteliers als Hilfssheriffs an. Araber und Osteuropäer unter Generalverdacht..."

bericht auf dem auch sonst lesenswerten anti-wm-blog.

krieg = terror

"Allein die Zahl der Verkehrsopfer übersteigt die Zahl der Terroropfer weltweit etwa um das Zweihundertfache.

Und die Opfer unter der Zivilbevölkerung des sogenannten "Krieges gegen den Terror" übersteigen die direkten Opfer durch Terroranschläge noch um das Fünfzigfache.

Würde wirklich der Schutz von Menschenleben im Visier der Politik stehen, hätte sauberes Trinkwasser für alle Menschen oberste Priorität der internationalen Politik."

artikel zur demokratiefeindlichen politik der bush-administration bei heise.

Dienstag, 6. Juni 2006

«Wir haben es in Japan schon einmal gemacht»

hiroshima


ein artikel des renommiertesten amerikanischen journalisten
Seymour Myron Hersh in The New Yorker vom 17. april 2006
zu den kriegsplänen der bush-administration gegen den iran,
auf deutsch nachzulesen bei www.zeit-fragen.ch.

VORBEI VORBEI VORBEI...

...jezz issa endlich vorbei.
[war ja auch lang genug gewesen]

peter licht - das lied vom ende des kapitalismus gibz hier.
aber vorsicht: ohrwurm-gefahr!

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